Die Fenster der Locanda blicken auf zwei „Calli“ (Gassen), die besonders charakteristisch und reich an Geschichten und Legenden sind: die Barbaria delle Tole und die Calle dell‘Ospedaletto.
In der Barbaria delle Tole waren früher die Holzlager (tavole, im venezanischen Dialekt tole) der Holzhändler.
Einigen Historikern nach stammt der Name „Barbaria“ von der Bezeichnung für „wilder Ort“ oder „alter Wald“, anderen zufolge geht er auf die große Zahl der hier ansäßigen Barbiergeschäfte zurück. Die glaubwürdigste Version besagt, dass der Name durch die Holzlager, deren Vorräte für die „Barbaren“, d.h. für die Sarazenen, bestimmt waren, entstand.
Die spektakuläre Fassade der Kirche Santa Maria dei Derelitti, oder Ospedaletto, die reich an Marmorverkleidungen und Skulpturen ist, wurde von Baldassare Longhena entworfen. In diesem „Ospedaletto“, kleinem Spital, wurden Waisenkinder und Ausgestoßene (derelitti) aufgenommen dank finanzieller Zuwendungen der venezianischen Adels- und Handelsfamilien.
 
Eine große Zahl an verwaisten Mädchen („figlie“ oder „putte“ genannt), die ohne Vormund waren und beschützt, erzogen und verheiratet werden mussten, wurden hier aufgenommen. Berühmt waren damals die Konzerte, mit denen diese Mädchen an die Öffentlichkeit traten; heute noch werden Konzerte im „Musiksaal“ (Sala della Musica) veranstaltet.

Campo Santi Giovanni e Paolo
Der Doge Giacomo Tiepolo schenkte im Jahre 1234 den Sumpf, der damals an dieser Stelle war, dem Domenikanerorden, damit hier eine Kirche und ein Kloster errichtet wurde. Die Kirche wurde aber erst 1430 fertiggestellt und mit dem Namen Santi Giovanni e Paolo (von den Venezianern San Zanipolo genannt) geweiht. Hier wurden die Begräbnisse der Dogen zelebriert und jedes Jahr am 26. Juni (Namenstag der beiden Patrone) wurde die Kirche vom Dogen und dem Adel besucht, um einer erfolgreichen Schlacht gegen die Türken bei den Dardanellen im Jahre 1656 zu gedenken. Das Gotteshaus war in der Zwischenzeit ein Tempel der venezianischen Erinnerungen geworden und oft fanden auf dem weiten Campo Feste und Veranstaltungen in Gedenken an historische Ereignisse statt. Nach dem Markusplatz ist dies der monumentalste Platz Vendigs, berühmt für Kunstwerke und historische Gedächtnisstätten, wie aus den bekannten Gemälden des Francesco Guardi oder des Canaletto leicht herauszulesen ist.
Neben der Kirche ist das Domenikanerkloster, Scuola Grande di San Marco genannt und heute Sitz des Stadtspitals, das in früheren Zeiten die Bettler und Vagabunden der Stadt beherbergte und den Pilgern auf ihrer Reise ins Heilige Land Obdach bot. Die Fassade des Gebäudes ist in lombardischem Renaissancestil gehalten und reich an Marmorverkleidungen und Dekorationen.

Vor der Kirche und dem Kloster wurde die Reiterstatue des Bartolomeo Colleoni errichtet, die vom florentinischen Bildhauer Andrea Verrocchio geschaffen wurde und den Stolz und die Imponenz des berühmten Heerführers des 15. Jh. darstellt.
Die Geschichte der Wahl dieses Standorts ist kurios:
Colleoni war ein Heerführer aus Bergamo, der im Dienst der Republik Venedig stand und der Serenissima alle seine Güter vermachte unter der Bedingung, dass auf dem Markusplatz eine Statue zu seiner Ehre errichtet würde, obwohl ein Gesetz dies verbot. Der Senat, die Stadtregierung der Republik, entschied raffinierterweise, dass die Statue vor der Scuola San Marco ihren Platz finden sollte und kassierte die Erbschaft ein.

 Hier die wichtigsten Veranstaltungen in Venedig


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